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Der Dreihundertkilomann

Der Dreihundertkilomann

 

Er passte durch kaum eine Tür. Jeder Schritt forderte ihm Umengen seiner Energie ab. Wo er ging, blieben die Leute stehen und starrten, verurteilten. War er doch selbst schuld an seiner Misere. Wieviel er wohl am Tag verputzte, fragten sich all die erstarrten, nach Sensation lechzenden Gesichter. Augenpaare folgten seinem mühsamen Gang wie hypnotisiert. Sie durchbohrten dieses stampfende, schnaufende Ungetüm mit ihren Blicken. Eine Abartigkeit in solch vollkommener Form sah man nicht alle Tage. Dieses Ereignis würde schon bald an kalten Abenden die Ohren der Kinder und Enkelkinder erreichen und sie für einen Moment amüsieren. Mit Freude sahen die Leute wie sich das Gesicht des Mannes rot verfärbte und langsam begann, in ein Blau überzugehen. Nun war es ein Wintertag und der Boden eisglatt. So sollte es nur eine Frage der Zeit sei, bis der Mann den Halt verlor. Die Menge hielt den Atem an, als der Dicke zu schwanken und zu rutschen begann. Nach einem kurzen, aussichtslosen Kampf gegen das eigene Körpergewicht fiel er mit lautem Krachen zu Boden. Regungslos lag er da. Gebannt wartete man auf weitere Belustigung. Doch der Körper bewegte sich nicht. Das Schnaufen war verschwunden. Er war vollkommen still. Totenstill. Gelangweilt zog ein Mensch nach dem anderen von dannen. Ein paar Kinder stießen die Leiche mit einem Stock, bis sie des Spieles überdrüssig wurden. Die Stadt war enttäuscht. Man hatte mehr erwartet von diesem Mann.

3.12.09 17:41
 


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